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Ein Herz für Freddy

„Eine Anakonda auf vier Pfoten“, so beschreibt Freddys Frauchen ihn. Dabei gleicht er einer Anakonda lediglich von seiner Körperlänge. Ansonsten hat er nicht viel mit einer Schlange gemeinsam- im Gegenteil. Obwohl der alte Mann schon ziemlich taub ist und schlecht sieht, watschelt er liebevoll auf einen zu, um sich noch ein paar Streicheleinheiten abzuholen.

Freddy stammt aus einer rumänischen Tötungsstation, wo er mit starker Arthrose und quasi keinem Fell abgegeben wurde. Es war offensichtlich, dass er den Winter auf dem kahlen Betonboden nicht überleben würde. Sein jetziges Frauchen Susanne hat ihn bei Facebook gesehen, und war auf Anhieb verliebt in ihn und so wurde er im Oktober vergangenen Jahres mit dem Transporter quasi direkt vor die Haustür „geliefert“. 

Er wurde als Dackelmischling präsentiert. Fest steht, dass er auf jeden Fall eine sehr einmalige Mischung sein muss. Auch wenn er von seiner Schulterhöhe nicht der allergrößte Hund ist, steht definitiv fest, dass in ihm ein großer Hund steckt! Und eine große Rasse ebenfalls. Vielleicht ein Leonberger, oder ein Schäferhund.

Als ich Freddy begegnet bin, war er die Ruhe selbst. Wir haben uns zum ersten Mal gesehen, jedoch war er neugierig, beschnupperte mich ausgiebig und lies sich auf Anhieb anfassen. Seine Ausstrahlung ist so besonders, dass man sie kaum beschreiben kann. Innerhalb einer Woche hat er wohl auch in seinem aktuellen Rudel jetzt bestehend aus 3 Hunden und einem Pflegehund, die Chefposition eingenommen. Obwohl man nicht weiß, wo er her kommt, was seine Geschichte ist, ob er schon einmal ein Zuhause hatte oder sein Leben lang auf der Straße gelebt hat, vertraut er, ist souverän, liebevoll und folgt unglaublich toll. Für ein Stückchen Käse lässt er sich immer wieder motivieren, noch ein paar weitere Schritte zu gehen. Dann bleibt er stehen, schnuppert auf der Wiese, an einem Baum oder einfach in die Luft und genießt die Sonne. 

Es steht fest, dass wir alle diese Welt früher oder später verlassen müssen. Bei Freddy wird es vermutlich früher der Fall sein, als später. Wenn ich Susanne frage, wie sie es aushält, diese Hunde nach so kurzer Zeit wieder gehen lassen zu müssen, sagt sie, dass es eine absolute Genugtuung für sie ist zu wissen, dass diese Seele nicht morgens alleine auf einem Betonboden zwischen irgendwelchen Gitterstäben leblos aufgefunden wurde, sondern liebevoll auf ihrem letzten Teilstück des Lebensweges begleitet wurde.

Demnach wünscht sie sich, dass Freddy noch einen schönen Sommer hat, wo er in seinem Garten oder auf kurzen Spaziergängen das warme Wetter, die weiche Wiese oder die vielen Düfte dieser Luft genießen kann. 

Ich für meinen Teil bin dankbar. Dankbar dafür, dass wir wider Erwarten so viele tolle, unterschiedliche Bilder von Freddy bekommen haben, der gestern wirklich noch einmal alles gegeben hat. Es hat mich so glücklich gemacht, ihn kennen zu lernen und diese Fotos von ihm machen zu dürfen. Menschen wie Susanne zu kennen. Und die Gewissheit zu haben, dass es diese selbstlosen Menschen mit so großen Herzen auf jeden Fall noch gibt. 

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